Neurozeptionstraining – Detaillierte Informationen

Level 1: Das Polyvagale Embodiment Training (PET)

Heilung beginnt nicht im Kopf, sondern dort, wo dein Nervensystem seine Informationen sammelt: in Sensorik, Rhythmus, Bewegung und Beziehung. In dem Polyvagalen Embodiment Training bekommst du ein solides Fundament: eine verständliche Einführung in die polyvagale Physiologie, sensomotorische Interventionen zur Modulation autonomer Zustände und ein praktisches Gefühl dafür, wie du deinem „Bodyguard“ über die Schulter schauen kannst. Du arbeitest mit dem visuellen System als Schlüssel für Klarheit und soziale Sicherheit, mit Propriozeption für Erdung und Stabilität sowie mit dem Vestibularsystem als Hebel für Emotionsregulation.

Level 2 – Die Neurozeptive Integration in der Praxis

Mit dem Sechs-Phasen-Modell der Neurozeptiven Integration und dem Neurozeptiven Kompass vertiefst du die Kompetenzen aus Level 1 und lernst, Co-Regulation, ventral-vagale Resonanz und einen arbeitsfähige Permission Space, systematisch in deine Praxis zu integrieren. Du erforschst den Körper als Bühne der Gefühle, arbeitest prozessorientiert mit Bottom-up-Techniken, nutzt einen neurozeptiven Kompass für unterschiedliche Arousal-Level und entwickelst spezifische Protokolle: von Koregulierungsformaten für Erinnerungssysteme bis zu vestibulärer Stabilisierung in Bewegung.

Was ist der PermissionSpace

Permission Space = der gemeinsam geschaffene Beziehungsraum, in dem genug Sicherheit, Bewusstsein und Regulation vorhanden sind, damit echte Tiefe, Veränderung und Integration möglich werden. Beide Level unterstützen dich darin, deinen PermissionSpace zu erweitern: deine Fähigkeit, mit anderen physisch, emotional, mental und relational in Resonanz zu sein, ohne dich selbst zu verlieren – auch in intensiven, komplexen oder triggernden Prozessen.

Was ist der Neurozeptive Kompass?

Stell dir dein Nervensystem als Fluss vor: Die Ufer sind deine Stabilität, die Strömung deine Vitalität. Der Kompass checkt unbewusst über Neurozeption – also Sinne wie Propriozeption (Körperhaltung), Interozeption (Gleichgewicht, Atmung und Herzschlag) und Exterozeption (Sehen und Hören) –, ob alles harmonisch läuft oder ob dein Bodyguard Alarm schlägt.

Stephen Porges beschreibt Neurozeption als blitzschnelle, unbewusste Einschätzung von Sicherheit oder Gefahr, die dein autonomes Nervensystem steuert. Studien zur Polyvagalen Theorie zeigen, dass ein kalibrierter Kompass den ventralen Vagus stärkt und chronischen Stress abbaut. Der Neurozeptive Kompass ist dein sensorisches Navigationssystem aus der Polyvagalen Theorie, das über Neurozeption die 5 Qualitäten (Stabilität, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Vitalität, Kohärenz) deines Nervensystems misst – wie ein Flusscheck für innere Balance und Wohlbefinden.

Du trainierst dein Nervensystem darin, Sicherheit präziser zu erkennen – statt im Autopiloten ständig Gefahr zu scannen. Es setzt direkt an der unbewussten Bewertung deiner Umgebung und deines Körperinneren an, also genau an dem Prozess, den Porges mit Neurozeption beschrieben hat. Es schult deine Wahrnehmung auf drei Ebenen: Innen (Interozeption), Beziehung (Co-Regulation) und Umwelt (Kontext-Signale). Über wiederholte Erfahrungen von Sicherheit (Stimme, Mimik, Berührung, Rhythmus, Atem, Bewegung) werden die automatischen Bewertungen im Nervensystem langsam umcodiert. Ziel ist, dass dein ANS häufiger und stabiler „hin zu Sicherheit“ reguliert – also mehr ventraler Vagus, mehr soziale Engagement Systeme und weniger chronischer Sympathikus/dorsaler Vagus.

HÄUFIGE FRAGEN

Für wen ist das Training geeignet?

Egal, mit wem wir arbeiten – unsere Biologie ist die gleiche. Das Training ist für alle, die mit Menschen arbeiten. Wenn du Lust hast, deinen therapeutischen Blick zu erweitern und neue, wirkungsvolle Tools für deine Arbeit mitzunehmen, bist du hier genau richtig. Die körperbasierten Techniken und Selbsterfahrungsübungen sind leicht anwendbar und können auch ohne Vorkenntnisse in Körperarbeit direkt weitergegeben werden.

Was, wenn ich nicht live teilnehmen kann?

Alle Online Meetings werden aufgezeichnet und stehen Dir zur Verfügung

Wie lange hab ich Zugriff auf die Materialien?

Alle Online Materialien stehen Dir bis 12 Monate nach Trainingsende zur Verfügung

Was kostet das Hybrid-Training?

GesamtKosten: 2.500 Euro inkl. persönliches Teilnahmezertifikat

Gibt’s Ratenzahlung?

Ja / Anzahlung: 500 Euro

Wie dein Nervensystem Sicherheit lernt

„Trauma ist nicht das, was uns passiert, sondern das, was in uns geschieht als Folge dessen, was uns passiert.“
— Gabor Maté

Die Traumaforschung hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Früher lag der Fokus vor allem auf dem, was am sichtbarsten ist: Angst, Bindungsprobleme, emotionale Überforderung. Dann kam ein entscheidender Wendepunkt. Mit körperorientierten Ansätzen rückte der Körper selbst ins Zentrum. Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, was jemand fühlt – sondern wie sich Erfahrungen im Körper zeigen: in Haltung, Muskelspannung, Schutzreaktionen. Der Körper wurde nicht länger als Bühne für Emotionen gesehen, sondern als Speicher von Erfahrungen.

Doch die Entwicklung ging noch weiter. Heute wird immer deutlicher: Trauma und chronisch variabler Stress wirken auf einer noch tieferen Ebene – der sensorischen. Also dort, wo wir die Welt ganz basal wahrnehmen: über Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Gleichgewicht und Körperempfinden.

Aus polyvagaler Perspektive bedeutet das, Du arbeitest mit vier Schichten von Sicherheit:

  • Physische Sicherheit (extern): Räume, Zeiten und Grenzen so gestalten, dass der Körper aufhören darf, mit dem Schlimmsten zu rechnen.
  • Neurozeption (Sicherheit vs. Gefahr wahrnehmen): Dein Nervensystem lernt, aktuelle Signale von Sicherheit im Hier-und-Jetzt zu registrieren – nicht nur Bedrohungssignale aus der Vergangenheit zu wiederholen.
  • Innerer Zugang zu Sicherheit: Du baust die Fähigkeit aus, dich innerlich sicher zu fühlen – durch Ressourcenarbeit, Embodiment und Co-Regulation, nicht nur durch kognitives Verstehen.
  • Relationale Fähigkeiten: Du erweiterst deine Kapazität, in Kontakt zu sein, Co-Regulation zu empfangen und anzubieten, Grenzen zu setzen und gleichzeitig verbunden zu bleiben.

Neurozeptive Integration in der Praxis

Nach diesem Training verstehst du dein autonomes Nervensystem als sensorischen Kompass zu nutzen, der durch Neurozeption agiert. Die Präzision dieses inneren „Bodyguards“ hängt von der Kalibrierung des Orientierungssystems ab, das Signale aus Körper, Beziehungen und Umwelt integriert. Sicherheit entsteht durch die erfolgreiche Integration des Schutzmechanismus des Nervensystems, was zu stabiler ventralvagaler Aktivierung führt.

Dein Nervensystem lernt, Informationen aus drei zentralen Ebenen wieder stimmig zusammenzuführen:

1. Sensorik – Die Sprache deines Körpers wieder verstehen

In der neurozeptiven Integration arbeiten wir gezielt mit deinen Sinnessystemen: Sehen, Hören, Berührung, Propriozeption, Vestibularsystem und Interozeption. Gerade das Gleichgewichts- und Orientierungssystem ist bei vielen Menschen unter chronischem Stress beeinträchtigt. Auch das Fasziensystem ist angespannt und hält das Nervensystem in einem Daueralarm. Durch gezielte Arbeit mit diesen Systemen entsteht wieder Orientierung und Klarheit. Ein Gefühl von „Ich bin hier – und ich bin sicher.“

2. Beziehung – Regulation entsteht im Kontakt

Viele prägende Erfahrungen passieren in Momenten von Isolation – ohne Co-Regulation, ohne ein Gegenüber, das Sicherheit vermittelt. Deshalb kann Heilung auch nicht rein alleine stattfinden. In der neurozeptiven Integration wird Beziehung zum aktiven Wirkfaktor. Die Stimme, die Präsenz, das Timing eines Gegenübers wirken direkt auf dein autonomes Nervensystem. Hier entsteht Schritt für Schritt wieder die Fähigkeit, in Kontakt zu bleiben, ohne dich selbst zu verlieren.

3. Emotion – Fühlen, ohne überwältigt zu werden

Emotionale Arbeit wird erst dann wirklich möglich, wenn dein Körper Sicherheit erlebt. Emotionen sind keine isolierten Phänomene – sie sind Ausdruck deines autonomen Nervensystems und drücken sich über die Sinne aus. Erst wenn dein System flexibel zwischen Aktivierung und Beruhigung wechseln kann, entsteht die Fähigkeit, Emotionen zu fühlen, ohne von ihnen überrollt zu werden.

Das Sechs-Phasen-Modell der neurozeptiven Integration

Damit dieser Abstimmungsprozess nicht zufällig geschieht, sondern gezielt protokolliert werden kann, arbeiten wir im Neurozeptionstraining mit einem klaren Prozessrahmen:

  1. Wahrnehmen – Du beginnst, Körpersignale und Zustände differenzierter zu erkennen.
  2. Regulieren – Du lernst, dein System gezielt in Richtung Sicherheit zu begleiten.
  3. Ressourcen aktivieren – Sicherheit wird nicht nur gedacht, sondern verkörpert.
  4. Neu ausrichten – Dein Nervensystem reagiert weniger reflexhaft – und gewinnt Handlungsspielraum.
  5. Verkörpern – Neue Muster zeigen sich im Alltag, in Haltung, Sprache und Beziehung.
  6. Integrieren – Körper, Geist und Beziehung finden zu einer stimmigen Einheit zusammen.

Die Module im Überblick

Level 1: Das Nervensystem kennenlernen

Modul 1: Regulation vs. Entspannung, Sensorischer Speicher, Herz-Kohärenz-Atmung, Anatomisches Mapping, Sympathikus-Regulation

Modul 2: Der innere Bodyguard – Drei Schaltkreise des Überlebens, Sensory Mismatch, Bodyreading

Modul 3: Sensorischer Kompass – Regulationstools (Containen, Pendeln, Titration)

Modul 4: Propriozeption – Erdung und Stabilität, Stabile Gelenke

Modul 5: Faszien und Nervensystem – Beckenbodenaktivierung, Zwerchfellbefreiung, Faszial-Release

Modul 6: Visuelles System – Mentale Klarheit, 5 Sehfähigkeiten, Soziale Sicherheit

Modul 7: Vestibularsystem – Emotionsregulation, Gleichgewichtsschulung, VOR-Reflex

Modul 8: Stimme & Nervensystem – Prosodie, Klang und Sicherheit

Modul 9: Sicherheit in Beziehungen – Co-Regulation, Permission Space, Emotionsarbeit

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